Christa Wolf
- UnDi

- 24. Juli 2025
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Aug. 2025
Lange bevor feministische Retellings antiker Stoffe zum Trend wurden, schrieb Christa Wolf die Geschichte des trojanischen Krieges aus Perspektive der Kassandra. Jener Seherin, die sprichwörtlich geworden ist, weil sie den Untergang Trojas prophezeite, aber niemand ihr glaubte.
Viel später erfuhr ich, dass »Kassandra« von der Literaturwissenschaft als Analogie auf das politische System der DDR gedeutet wird. Eine spannende und sicher fruchtbare Interpretation, die aber weit von dem entfernt ist, was mich an dem Buch interessierte.
Auch »Kassandra« begegnete mir erstmals als »Starke Stimmen«-Hörbuch, und dass es mich so fesselte verdankt sich nicht zuletzt der Sprecherin, Corinna Harfouch, die der Kassandra einen ruhigen, dunklen, aber auch desillusionierten Klang gibt, der Gänsehaut bereitet und Respekt abnötigt.
Jahre später, sah ich eine Bühnenadaption dieser Mischung aus Erinnerungen und innerem Monolog. Die Darstellerin stand haareraufend inmitten eines Halbrunds von Spiegeln. Ich empfand das als schmerzliche Reproduktion der »hysterischen« begafften Frau, die Christa Wolf meines Erachtens nicht geschrieben hat. Und auch Corinna Harfouchs Kassandra hat nichts davon.
Auch an diesem Buch hat mich eine gewisse Einfachheit fasziniert. Die Kunst der Selektion. Nicht alles zu sagen, sondern so viel, wie nötig ist, um eine Vorstellung zu erzeugen, die wirkt.
Wenn ihr Antiken-Retellings liebt, lest dieses Buch oder hört das Hörbuch.






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