Umberto Eco
- UnDi

- 21. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Murakami beweist, dass die Sehnsucht nach dem Magischen immer da war. Eco beweist, dass auch das ganz und gar Unmagische seinen Reiz haben kann.
Wikipedia gönnt ihm gleich sechs Bezeichnungen: Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler, Semiotiker und Philologe. Und so geht es auch in seinen Romanen zu, weshalb ihr auf dem Foto auch keinen von ihnen seht. Denn alle, die ich gelesen habe, waren geliehen oder mussten ausziehen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, sie noch einmal lesen zu wollen.
Ecos Romane sind anstrengend und wirklich sehr angeberisch.
Jeder von ihnen sagt: Sieh her, wie viel Wissen in mich eingeflossen ist. Naaa, erkennst du all meine klugen Anspielungen und Referenzen? Die Antwort war immer: Nein.
Eco wurde für mich zu einem kryptischen, aber gleichwohl faszinierenden Beispiel, wie akademisches Denken und Literatur miteinander verbunden werden können. Ich hatte nie eine Chance, auch nur einen Bruchteil der historischen und philosophischen Verweise selbst zu erkennen, aber ich liebte sein Spiel mit Intertextualität, Fiktionalität und der Unzuverlässigkeit von Erzählern.
Eco ist das intellektuelle Pendant zu einem komplett übertrieben ausufernden World Building. Es ist eigentlich total drüber, aber man kommt doch nicht umhin, es zu bewundern.
Tatsache ist: Jede*r, der das hier liest, kennt »Der Name der Rose« und sei es nur in der Verfilmung mit Sean Connery. Eco war absurd erfolgreich mit einem intellektuell und akademisch extrem aufgeladenen (ich möchte fast sagen: überladenen) literarischen Werk.All die Dinge, die ich im Studium gelernt hatte über Zitat, Referenz, Intertextualität und Fiktionalität werden bei ihm so unmittelbar und dicht zu Literatur, die auf zwei Ebenen extrem gut funktioniert – als literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand und als Unterhaltungsliteratur.
Eco hat Spuren hinterlassen. In meinem Denken und in meiner Wölfin.



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